Dieser Artikel ist ein aufrichtiger und humorvoller Rückblick auf meine " Lehr- und Jugendjahre" als Geschichtenerzähler...

Quellenangabe - Bild: Hopsa -Viva Insgemein e.V. / Pfifferkunig von Augsburg um 1400 a.D. 

Wie bereits aus meinen bisherigen Reisen zu sehen ist, beschäftige ich mich seit 2003 in der Theorie und der Praxis mit der Thematik "Mittelalter" in ihren verschiedenen Facetten.

Alles begann 2003 mit einer einfachen Lederhose, einer Tunika mit viel zu kurzen Ärmeln und einem Rechtecksmantel aus Loden, der mit zwei einfachen Spangen zusammen gehalten wurde. Wenig später entstand meine erste richtige(spät) mittelalterliche Gewandung. Mein damaliges Ziel war die Darstellung eines Mitgliedes der sozialen Randgruppen im späten Mittelalter (1350 bis 1420 a.D.) Ich verzichtete als niederes Volk bewusst auf Beinlinge (Mittelhochdeutsch: Hozen) und trug statt dessen einen einfache knöchellange Bruche. (Mittelhochdeutsch: Brouch).

Quellenangabe - Bild: Spectaculum et Gaudium Igersheim 2006 - mit freundlicher Genehmigung des Photographen. / Vagant mit Drehleier.

Diese Gewandung blieb viele Jahre mein Markenzeichen und bekam durch kleinere Ausbesserungsarbeiten von Hand immer mehr authentische Anteile um sich einer geschichtsnahen Interpretation weiter anzunähern. In dieser Zeit zog ich teilweise musizierend, teilweise erzählend über die Märkte um Geschichten, Lieder auf verschiedenen Instrumenten und andere Erfahrungen zu sammeln. 

Quellenangabe  - Bild: Ritterspiele Schloss Scherneck, mit freundlciher Genehmigung des Photographen./ Pfifferkunig bei einer Darbietung.

Dabei entdeckte ich meine Liebe zur Drehleier, die mich bis Heute in einem privaten Rahmen begleitet. Manches Mal brachten mir "Maria - Magdalena" (Bild oben) und "Annabella" (Bild unten) Glück, in dem sie mir halfen mit meiner Musik die schlechte Laune eines Gewandeten oder eines Gastes zu vertreiben und ihnen ein kleines Lächeln in das Gesicht zu zaubern. Seit dem weiss ich, daß es auch Geschichten gibt, die in gesungener und musikalischer Form ihren Platz im Leben haben...

 

 

Quellenangabe - Bild: Cave Gladium 2005, Mit freundlicher Genehmigung des Photographen veröffentlicht/ Spielmann bei einer Darbietung.

2006 gründete ich mit einigen Gleichgesinnten die "Viatores ad Orbem" (lat. die Wanderer zwischen den Welten"), als Bruderschaft der Spielleute zu Augsburg. Meine Gewandung veränderte sich , um dem Stand eines sog. "Pfiffer- oder Leierkunigs" (dem Anführer einer Bruderschaft der Spielleute) gerecht zu werden.

Warum eine Bruderschaft der Spielleute?

Spielleute, bunte Lumpen und Schellen sind des Teufels Spießgesellen! (alte Volksweisheit)

Gesellschaftlich betrachtet sämtliche Mitglieder des fahrenden Volkes, zu denen auch die Spielleute gehörten keine sozialen Rechte und genossen an vielen Orten einen zwiespältigen Ruf. Einerseits waren Ihre Darbietungen eine Bereicherung für das Leben im Mittelalter. Andererseits gab es viele Aberglauben, welche die Anwohner zur Vorsicht mahnten. Ich schliesse von dem vorherigen Satz die fahrenden Minnesänger (z.B. Walther von der Vogelweide, Gottfried von Neifen etc.) aus, weil diese aufgrund ihrer adeligen Herkunft eine Sonderstellung genossen.

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Quellenangabe - Bild: Ritterspiele Freienfels, Christian Schütz/  Der  Pifferkunig zu Augsburg in seiner Sonntagstracht.


Seit dem Sommer 2006 befinden sich die "Viatores ad Orbem" in einer kreativen Pause. Ich habe die Musik in einen privaten Rahmen verändert und reise seit dieser Zeit als Geschichtenerzähler über verschiedene mittelalterliche und phantastischere Veranstaltungen. Hin und wieder zeige ich vor meinem Zelt mittelalterliche Handwerkstechniken, die ich bei Interesse auch gerne erkläre. 

Im Mai 2009 begann ich damit meine handwerklichen Fähigkeiten zu erweitern und zu verfeinern. Ich spinne mit Fasern! Es dauerte 5 Jahre, ehe ich mich endgültig entschied diese handwerkliche Tätigkeit auszubauen und zu vertiefen. Im Jahr 2010 kam ein Spinnrad und ein Webstuhl dazu. Ich bewundere mit großem Respekt die Menschen, die sich ihre historische Tracht von Grund auf selber spinnen, weben, mit Pflanzenfärben und anhand der mehr oder weniger reichen textilen Fundlage aus dem Mittelalter ihre Ausstattung von Hand Nähen. Sie erarbeiten und erleben sich sehr oft als kulturhistorisch interessierte Laien in ihrer freien Zeit Stück Geschichts-, Kultur- und Traditionspflege, das Ihnen ein tieferes Verständnis der mittelalterlichen Geschichte ermöglicht.

Und wie geht es weiter?

Aktuell recherchiere ich für eine lebendige Geschichtsdarstellung (Living History) in verschiedenen Epochen.

Meine Grundausstattung für das hohe Mittelalter (1100 - 1250 a.D.; einfacher Handwerker oder Knecht) ist fertig und vorzeigbar.

Ich reise seit 2011 als Mitglied es Lazarusordens zu Remissgeyd als pflegender Laienbruder zu verschiedenen mittelalterlichen Veranstaltungen. Meine Ausstattung bezieht sich auf die Tracht eines Novizen um 1250 a.D.

Die Rekonstruktion eines Ottonischen Bauern  um 955 a.D auf dem Lechfeld ist nahezu abgeschlossen. Es fehlen noch wenige Ausrüstungsteile wie Beinwickel und Mantel, bevor ich meine erste museale Veranstaltung besuchen kann.

Meine Recherche für eine alamannische Tracht um 620 a.D auf dem Lechfeld ist zur Zeit in einer kreativen Pause. Sie wird im Rahmen meiner Möglichkeiten fortgesetzt.

Warum?

Mir ist bei diesen Arbeiten eine möglichst geschichtsnahe Interpretation (so weit es die archäologischen und literarischen Quellen zulassen) wichtig um zu zeigen, wie das damalige Leben wirklich war. Wenn mich jemand bei meinen Recherchen mit Tips, Anleitungen, Links oder Literaturempfehlungen unterstützen möchte, freue ich mich.

viele Grüsse,

Euer reisender Geschichtenerzähler