Die Geschichte der Hose im Mittelalter.
Dieser Artikel ist der Erarbeitungsphase und erhebt keinen Anspruch auf Korrektheit und/ oder Vollständigkeit!
Laut dem bisherigen Stand der Forschung lässt sich bereits in der Altsteinzeit über die Existenz dieses Kleidungsstückes diskutieren. Sie ist auf zahlreichen Darstellungen von Reitervölkern sichtbar und lässt sich spätestens durch die Aufzeichnungen des römischen Geschichtsschreibers Tacitus in Europa gesichert nachweisen. Einer der frühesten bekannten Textilfunde stammt aus dem Thorsberger Moor und aus Damendorf in Norddeutschland. (vgl. Schlabow.) Weiterhin gibt es einen Fundbericht aus der Basilika St. Ulrich in Augsburg. Ein Teil dieser Realien sind heute im römischen Museum in Augsburg ausgestellt.
Ausgehend von den Buchmalereien des frühen Mittelalters (Stuttgarter Psalter, Utrecht Psalter etc.) wurden – je nach Bevölkerungsschicht – die Hose und die Bruche (mittelhochdeutsch: Brouch) mit ihren Beinlingen (mittelhochdeutsch: Hozen) ab der Karolingerzeit (07. Jhdt. a.D.) parallel getragen. Viele Bilder zeigen die Beinlinge mit angenähten Fußteilen. Einer der Nachweise für genähte Strümpfe im frühen Mittelalter stammt aus dem textilen Nachlass von Papst Clemens II (1005 - 1047). Weiterführende Informationen, wie es sich mit dieser Fußbekleidungsvariante in den späteren Epochen des Mittelalters verhält, liegen mir leider nicht vor.
Wer für die an die Beinlinge oder Hose angenähten Fußteile eine Alternative sucht ist mit Socken in Nadelbindetechnik/ Naalbindetechnik auf der sicheren Seite. Hier finden sich die ersten Nachweise in der Steinzeit, in der Antike (Mittelmeerraum) und in sämtlichen Epochen des Mittelalters.
Im hohen Mittelalter gibt es außerhalb der kirchlich - monastischen Gewänder keine verlässlichen Hinweise auf die Verwendung von der Hose als Kleidungsstück. So führte Heinrich von Mülenark (auch Heinrich von Molenark oder Heinrich I von Köln genannt) , Erzbischof zu Köln (1190 – 1238 a.D.) ein Leben lang den Spitznamen „Heinrich Leinenhose“. Die Hintergründe zu diesem Spitznamen sind bisher umstritten. Laut den Statuten des Lazarenerlosters Seedorf (Schweiz) lassen sich einfache Hosen, wie wir sie Heute kennen (keine Bruchen! Ich spreche an dieser Stelle von einfachen Hosen, wie wir sie Heute kennen) im monastischen Bereich (Vgl. Statuten des Lazarenerklosters Seedorf in der Übersetzung von E. Sauer und in der Übersetzung von Perlbach. Ein weiterer Nachweis findet sich bei Kay Peter Jankrift - Leprose als Streiter Gottes) eindeutig nachweisen.
Im weltlichen Bereich bleiben sie nach wie vor aufgrund mangelnder archaeologischer oder mediävistischer Quellen sehr umstritten. Einige hochmittelalterliche Bildquellen zeigen Tagelöhner oder Bauern während der Arbeit, die eine Bruche tragen, die bis zu den Waden reicht. Diese darf nach meinen bisherigen Informationen nicht als Hose interpretiert werden. Ich kann nach meinem derzeitigen Stand meiner Kenntnisse jedem ernsthaft kulturhistorisch interessierten Mann die Verwendung von Bruche und Beinlingen oder eine sehr kritische und gründliche Eigenrecherche nahelegen.
Es bleiben weiterhin noch viele Fragen zur Hose im hohen Mittelalter aus Mangel an Nachweisen unbeantwortet.
Im späten Mittelalter findet sich wieder eine Annäherung beider Moden durch den burgundischen Purpoint, bei dem die Beinlinge mit Schnüren an eine Weste genestelt wurden. Im ausgehenden Mittelalter findet sich ein schönes Beispiel für die Entwicklung der Kniehose auf dem Gemälde eines unbekannten Künstlers.
Quellenangabe – Bild:
Der Augsburger Geschlechtertanz, um 1500 a.D.
Gemeinfreies Bild.
Danksagungen:
Ein besonderes Danke geht an Heribert von Werden für den Austausch und seine Anregungen während der Recherchephase.
Bildverweise:
Dieser Absatz enthält Verweise auf Bildquellen, die ich aus urheberrechtlichen Gründen nicht auf meiner Webseite verlinken darf. Ich zähle sie auf, damit die geneigte Leserin/ der geneigte Leser meine Argumentation nachvollziehen kann.
Bruche und Beinlinge:
- Stuttgarter Psalter, unter anderem auf Seite 3, 09. Jhdt.
- Codex Rabanus Maurus, ca. 850 - 900 a.D.
- Das Perikopenbuch Heinrich II um 1007 - 1012 a.D.
- The life of King Edward the confessor", London (1260); Buchmalerei
- Elisabethschrein, Marburg (um 1250) (Relief);
- Necrologicum von St. Germain ( zw. 1255 u. 1278 ); Buchmalerei
- Monatsdarstellung "August" franz. oder engl., Nürnberg Stadtbibliothek (um 1300) Buchmalerei.
Quellenverweise:
-
Wikipedia. Stichwort: Hose und Heinrich von Molenark.
-
Holger Riesch, Pfeil und Bogen zur Merowingerzeit
-
Karl Schlabow, Textilfunde der Eisenzeit Norddeutschland.
- Www.flinkhand.de (verschiedene Anleitungen zu mittelalterlichen Handwerkstechniken)
- Statutenbuch Seedorf nach Übersetzung nach E. Sauer
- Statutenbuch Seedorf nach Übersetzung nach Perlbach
- Kay Peter Jankrift - Leprose als Streiter Gottes
Nachwort:
Unser Bild von der damaligen Zeit ist in einem stetigen Wandel, weil immer wieder neue Quellen und Funde hinzu kommen, welche ein kleines Fenster in die Vergangenheit öffnen. Ich bemühe mich im Rahmen meiner Möglichkeiten als interessierter Laie diesen Anspruch gerecht zu werden. Sollte in diesem Artikel eine wichtige Quelle fehlen oder ein Fehler vorliegen, so bitte ich um einen Hinweis via Mail.
Dieser Artikel kann und soll dem kulturhistorisch interessierten Laien keine Recherche ersetzen. Ich hoffe, daß ich mit Ihm den einen oder anderen Denkanstoss oder Quellenhinweis liefern kann um die eigene Recherche ein wenig zu erleichtern.
Euer reisender Geschichtenerzähler.



